Ursula Gertrud von der Leyen, geb. Albrecht (* 8. Oktober 1958 in Brüssel, Belgien), ist eine deutsche Politikerin (CDU). Sie ist seit 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Ursula Gertrud von der Leyen,
Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

(Foto: BMFSFJ)

 



Fest im Sattel

Ursula von der Leyen, Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht (CDU), ist seit 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um die Reiterei geht. Niedersachsen ist eben Pferdeland. Vielfach präsentierte von der Leyen auf Eliteauktionen in Verden an der Aller Auktionspferde und überraschte auch 2007 zuletzt beim Internationalen Reitfestival. "Yard Manager News" erkundigte sich bei den pferdebegeisterten Powerfrau, wieviel Zeit denn noch überhaupt für den Reitsport bleibt...

Berlin Hauptstadtturnier Oktober 2009 - Großer Preis von Deutschland - Foto Yard Manager News
Von der Leyen, Preisverleihung "Großer Preis von Deutschland" beim Hauptstadtturnier 2009

Yardmanager: Frau von der Leyen, wie geht es Ihren Pferden? Sind Pferde nicht ähnlich wie kleine Kinder, um die man sich dauern sorgen muss?

Ursula von der Leyen: Über meine Kinder mache ich mir schon mehr Gedanken als über die Pferde. Aber es stimmt, das Halten und die Pflege von Pferden ist zeitaufwändig. Ein Fahrrad kann man schon mal für ein paar Tage stehen lassen – ein Tier nicht. Füttern, Misten, Weidenpflege, Reiten, das sind Aufgaben, die unsere Kinder selber bewältigen müssen. Die nötige Disziplin dafür aufzubringen, ist nicht immer einfach. Aber die Belohnung ist besser als jedes materielle Geschenk: Es ist dieses Gefühl, dass das Pferd gut versorgt ist, dass es ihm gut geht – und man selbst hat dies durch die eigene Zuverlässigkeit bewirkt. Pferde lehren Kinder, wie gut es tut, verantwortlich für ein Lebewesen zu sein. Das ist nicht die schlechteste Schule fürs Leben.

Yardmanager: Ob Distanzreiten, therapeutisches Reiten, Dressur oder Vielseitigkeit, als Schirmherrin engagieren Sie bei den verschiedensten reiterlichen Veranstaltungen, reiten selber und bringen Kinder auf Trab. Könnten Sie sich langfristig vorstellen, auch in Hinblick auf Ihren internationalen Background für das Amt der Präsidentin der Fédération Équestre Internationale (FEI) zu kanidieren?

Ursula von der Leyen: Ich habe zwar eine große Leidenschaft für Pferde, aber ich bin auch leidenschaftlich gerne Familienministerin. Und ich habe eine große Familie, der ich eisern jede Minute widme, die ich meinem Job abknapsen kann. Zurzeit bleibt kein Raum für weitere Phantasien.

Yardmanager: Sie sind in einem traditionellen Pferdezuchtgebiet zu Hause, hier sind ihre Wurzeln. Sie engagieren sich in diesem Zusammenhang insbesondere für horsy-Niedersachsen. Ist der Reitsport zu sehr kommerzialisiert, wie auch im Rahmen der Dopingvorwürfe laut wurde, oder hat sich in der breiten Bevölkerung die hervorragende Bedeutung (Nord-) Deutschlands auch als Exportnation in der internationalen Sportpferdezucht noch nicht ausreichend herumgesprochen?

Ursula von der Leyen: Das ganze Bild wird erst durch mehrere Puzzlesteine rund. Eine fundierte und gute Ausbildung sowohl von Reitern als auch von Pferden ist überhaupt das Fundament, auf dem die Jahrhunderte alte Tradition der Reitkunst und des Pferdewissens weitergegeben wird. Genauso wichtig ist die Zucht, die die Weiterentwicklung in Generationen widerspiegelt. Beide sind die Grundlage für Deutschlands Spitzenstellung in Pferdesport und Pferdevermarktung. Aber darauf kann man sich keinen Moment ausruhen. Die Konkurrenz ist stark und schläft nicht. Und die aktuellen Diskussionen um Doping zeigen, dass alles in Gefahr gerät, wenn Transparenz und eine selbstkritische Haltung dem eigenen Erfolg gegenüber vernachlässigt werden. Erfolg auf breiter Linie muss jeden Tag wieder ehrlich neu erarbeitet werden.

Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte Andreas Frädrich Ende Juli 2009.

 

   
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