| Fest im
Sattel
Ursula von der Leyen, Tochter
des ehemaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen, Ernst Albrecht
(CDU), ist seit 2005 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend und kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um die Reiterei
geht. Niedersachsen
ist eben Pferdeland. Vielfach
präsentierte von der Leyen auf Eliteauktionen in
Verden an der Aller Auktionspferde und
überraschte auch 2007 zuletzt beim Internationalen Reitfestival.
"Yard Manager News" erkundigte sich bei den pferdebegeisterten
Powerfrau, wieviel Zeit denn noch überhaupt für den Reitsport
bleibt...

Von der Leyen, Preisverleihung "Großer Preis von Deutschland"
beim Hauptstadtturnier 2009
Yardmanager: Frau von der Leyen, wie geht es Ihren Pferden?
Sind Pferde nicht ähnlich wie kleine Kinder, um die man sich dauern
sorgen muss?
Ursula von der Leyen: Über meine Kinder mache ich mir schon mehr
Gedanken als über die Pferde. Aber es stimmt, das Halten und die
Pflege von Pferden ist zeitaufwändig. Ein Fahrrad kann man schon
mal für ein paar Tage stehen lassen – ein Tier nicht. Füttern, Misten,
Weidenpflege, Reiten, das sind Aufgaben, die unsere Kinder selber
bewältigen müssen. Die nötige Disziplin dafür aufzubringen, ist
nicht immer einfach. Aber die Belohnung ist besser als jedes materielle
Geschenk: Es ist dieses Gefühl, dass das Pferd gut versorgt ist,
dass es ihm gut geht – und man selbst hat dies durch die eigene
Zuverlässigkeit bewirkt. Pferde lehren Kinder, wie gut es tut, verantwortlich
für ein Lebewesen zu sein. Das ist nicht die schlechteste Schule
fürs Leben.
Yardmanager: Ob Distanzreiten, therapeutisches Reiten, Dressur
oder Vielseitigkeit, als Schirmherrin engagieren Sie bei den verschiedensten
reiterlichen Veranstaltungen, reiten selber und bringen Kinder auf
Trab. Könnten Sie sich langfristig vorstellen, auch in Hinblick
auf Ihren internationalen Background für das Amt der Präsidentin
der Fédération Équestre Internationale (FEI) zu kanidieren?
Ursula von der Leyen: Ich habe zwar eine große Leidenschaft für
Pferde, aber ich bin auch leidenschaftlich gerne Familienministerin.
Und ich habe eine große Familie, der ich eisern jede Minute widme,
die ich meinem Job abknapsen kann. Zurzeit bleibt kein Raum für
weitere Phantasien.
Yardmanager: Sie sind in einem traditionellen Pferdezuchtgebiet
zu Hause, hier sind ihre Wurzeln. Sie engagieren sich in diesem
Zusammenhang insbesondere für horsy-Niedersachsen. Ist der Reitsport
zu sehr kommerzialisiert, wie auch im Rahmen der Dopingvorwürfe
laut wurde, oder hat sich in der breiten Bevölkerung die hervorragende
Bedeutung (Nord-) Deutschlands auch als Exportnation in der internationalen
Sportpferdezucht noch nicht ausreichend herumgesprochen?
Ursula von der Leyen: Das ganze Bild wird erst durch mehrere Puzzlesteine
rund. Eine fundierte und gute Ausbildung sowohl von Reitern als
auch von Pferden ist überhaupt das Fundament, auf dem die Jahrhunderte
alte Tradition der Reitkunst und des Pferdewissens weitergegeben
wird. Genauso wichtig ist die Zucht, die die Weiterentwicklung in
Generationen widerspiegelt. Beide sind die Grundlage für Deutschlands
Spitzenstellung in Pferdesport und Pferdevermarktung. Aber darauf
kann man sich keinen Moment ausruhen. Die Konkurrenz ist stark und
schläft nicht. Und die aktuellen Diskussionen um Doping zeigen,
dass alles in Gefahr gerät, wenn Transparenz und eine selbstkritische
Haltung dem eigenen Erfolg gegenüber vernachlässigt werden. Erfolg
auf breiter Linie muss jeden Tag wieder ehrlich neu erarbeitet werden.
Vielen Dank für das Gespräch. Das Interview führte
Andreas Frädrich Ende Juli 2009.
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