YARD MANAGER NEWS Thema Hospitality und Sponsoring im Reitsport
       
         

"Love the Races"

Die Begeisterung beim Pferderennen wächst, je stärker die Zuschauer sich mit den Pferden identifizieren – oder weil sie selbst Besitzer sind. Andreas Frädrich über interdisziplinäre Pferdezucht und Rennpferde

Vielen Anleger ist es zu riskant, in Pferde zu investieren. Es gibt das Sprichwort, vorher hatte er ein Vermögen, jetzt hat er Pferde. Rentieren sich Pferde überhaupt?

Frädrich: Pferde sind so etwas wie emotionale Aktien zum Anfassen. Bei solchen Beteiligungen steht neben dem möglichen Gewinn und der Freude am Tier vor allem das gesellschaftliche Ereignis im Mittelpunkt. Erfolgreiche Sportpferde bieten attraktive Renditen und viel Aufmerksamkeit in den Medien.

Kaufleute wie Paul Schockemöhle ("Totilas") oder Madeleine Winter-Schulze zeigen, dass sich mit Sportpferden Geld verdienen lässt. Doch vor hohen Gewinnen egal in welcher Disziplin stehen hohe Hürden und harte Arbeit. Bei vielen Reitställen gehören Verluste eher zur Regel.

Die Kaufpreise im mittleren Segment sind seit der Finanzkrise stark eingebrochen. Vielversprechende Fohlen mit einem interessanten Pedigree können aktuell für kleines Geld erworben werden. In der Spitzenklasse werden allerdings immer noch Höchstpreise aufgerufen.

Wie erfolgversprechend ist der Besitz eines Rennpferdes?

Frädrich: Bei richtigem Management des Trainers kann das Pferd in der Regel mindestens einen Teil der Kosten durch Rennpreise decken. Es kann auch Renditen von 100%  und mehr geben. Da in Deutschland der Rennsport im Regelfall steuerlich als Liebhaberei gilt, können Pferdebesitzer ihre Kosten beim Fiskus nicht geltend machen, dürfen im Gegenzug jedoch Gewinne steuerfrei einstreichen. Die steuerliche Betrachtung  z.B. auch bei Turnierpferden ist allerdings strittig.

Stuten sind weniger riskant als Hengste, denn diese können zur Zucht auch als Dritt- Viert- oder Fünftplatzierte eingesetzt werden.

Der allererste Start des eigenen Rennpferdes mit Blick auf die Zielgerade sorgt für hohe Adrenalinausschüttung. Das Phänomen auf jeder Rennbahn der Welt beim Einlauf ist unbeschreiblich und muss jeder selbst miterlebt haben.

Doch nicht aus jedem vielversprechenden jungen Pferd wird tatsächlich ein guter Galopper?

Frädrich: Wenn sich das Pferd für die Rennbahn als nicht genug talentiert erweist, hat man ein hervorragendes und intelligentes Reitpferd. Es liegt in der Hand des Trainers, was man aus diesen tollen Pferden macht, dies in Abhängigkeit wie intensiv die Pferde zuvor im Rennsport eingesetzt wurden.

Nicht ambitionierte Rennpferde können hervorragend in der Vielseitigkeit, auf der Jagd, in der Dressur und im Springsport eingesetzt werden. Sehr schnelle, wendige und nervenstarke Vollblutstuten sind insbesondere im Polo ausgesprochen begehrt. Allem voran steht eine solide Grundausbildung.

Galopp-Rennbahn HoppegartenKlubtribüne Rennbahn HoppegartenGalopp-Rennbahn Hoppegarten

Galopp-Rennbahn Hoppegarten

Galopp-Rennbahn Hoppegarten:
Yes we can

Hoppegarten - das ist die größte und schönste Rennbahn Deutschlands mit 141jähriger Tradition mit denkmalgeschützten Tribünen sowie einer einzigartigen Naturkulisse auf einem Areal von 207 Hektar. Viel hat man sich hier vorgenommen, Hoppegarten soll wieder das werden, was es einmal war - ein Publikumsmagnet der Hauptstadtregion und langfristig wieder die führende Galopprennbahn Deutschlands. 2008 wurden 800.000 € in die Verbesserung der Zuschauerbereiche und die Einrichtung von 300 Hospitality-Plätzen investiert. Für Besitzer und Trainer wurde in der Haupttribüne eine eigene Lounge geschaffen mit reservierten Sitzplätzen, einer großen Bar und bequemen Sofas. Für 2009 sind weitere 900.000 € für Investitionen und Renovierungen der Trainierbahn, der Rennbahn und der Haupttribüne veranschlagt.

In der Print-Ausgabe von "Yard Manager News" sprachen wir mit Gerhard Schöningh, dem neuem Eigentümer der Rennbahn Hoppegarten (Auszug).

Galopp-Rennbahn Hoppegarten

Yardmanager: Stichwort Internetwetten - sehen Sie eine Konkurrenzsituation?

Gerhard Schöningh: Das ist natürlich ein riesiges Problem der Branche mit den Außenwetten, aus der die Rennveranstalter einen Rohertrag von 10% haben. Um Ihnen mal eine Relation aufzuzeigen: Wir hatten jetzt 120.000€ aus der Bahnwette. Da behalten wir einen Rohertrag von 24.000€ und wir haben 60.000€ aus der Außenwette, da bleiben dann 6.000€. Wenn wir nun mit diesen 6.000€ auf Null gehen, oder sie verdoppeln, das ist für Hoppegarten nicht kriegsentscheidend. Der letzte Renntag war auch wirtschaftlich sehr erfolgreich: Allein 30.000€ Eintrittsgelder im Vergleich zu 11.000€ im Vorjahr sprechen ja schon für sich. Obwohl die Besuchersteigerung nur bei 45% lag. Wir haben weniger Freikarten verteilt, hatten aber auch eine hervorragende Auslastung unserer neu renovierten Logen und Tischplätze in der Haupttribüne - diese Bereiche waren kaum verkäuflich, werden aber nach der Renovierung zu höheren Preisen gut angenommen.Alle Leute waren sehr zufrieden. Kleinvieh macht in Hoppegarten auch Mist? Absolut, z.B. die Gastronomie wird jetzt in Eigenregie betrieben - wir konnten so jüngst einen Betrag von 8.000 € erwirtschaften. Im Vergleich schuldet uns der Gastronom vom letzten Jahr noch 15.000 €- allerdings für die ganze Saison. Was für mich auch sehr wichtig ist, ist dass wir jetzt Produkt, Qualität und Angebot selber schaffen können. Wir haben hier so viele Aktivitäten, da ist die Außenwette nur ein sehr kleiner Teil. Wir haben uns auch angeguckt, wie in anderer Profi-Sportarten verfahren wird, wie z.B. Eishockey mit den Eisbären, die jetzt Deutscher Meister sind. Historisch gesehen war es so, dass der Rennsport immer von den Wetten gelebt hat. Alles andere war einfach nicht optimiert. Zum Beispiel die Eintrittskarten wurden einfach verramscht, und als der Wetthahn nicht mehr so gut floss, ging halt das große Gestöhne los. Wir haben uns jetzt hier mal gefragt, was denn die anderen Einnahmequellen der anderen Sportarten sind, die das Wettgeschäft überhaupt nicht haben. Und da sind das die Besuchereinnahmen, Hospitality- Einnahmen, Sponsoring- Einnahmen und da wird die Gastronomie professionell betrieben. Langfristig ist ein gesunder Sport natürlich äußerst wichtig. Die Internetproblematik hat man natürlich überall, in Frankreich, in den USA, wo der Rennsport noch deutlich besser organisiert ist. Und das wird im Grunde ein Thema der Regulierung sein. Die Lobbyarbeit des Rennpsports in den anderen Nationen ist besser als in Deutschland. In den nächsten 5 Jahren wird das Pendel noch einmal zurückschwenken. Es kann nicht sein kann, dass ein sehr teures Produkt genutzt wird, ohne aber einen Pfennig dafür zu bezahlen - und genau das ist die Situation mit den Internetbuchmachern.

Yardmanager: Schwierigkeiten, Sponsoren, da sind wir doch schon beim Thema: Haben andere Pferdesportarten mehr Erfolg. Hat der Galopprennsport ein Imageproblem?

Gerhard Schöningh: Meiner Meinung nach hat das verschiedene Gründe. Es ist einfach von Seiten des Dachverbandes in den letzten Jahren kaum etwas getan worden. Als ich begann mich für den Rennsport zu interessieren, da gab es auf jeder Rennbahn noch einen Informationsstand, wo dem Laien erklärt wurde, wie das ganze Rennsystem funktioniert. Das gibt es schon seit Jahren nicht mehr, und es gibt daneben auch z.B. gar keinen Werbeetat. Die Präsenz in den Medien ist mangelhaft, seit 2 Jahren bastelt man an einer Strukturreform. Mit Sicherheit müssen wir uns in diesen Bereichen radikal verbessern. Die Rennbahnen waren trotzdem halbwegs erfolgreich. Die Mindereinnahmen aus dem Wettgeschäft waren über Sponsoren zu kompensieren. Das Rennpreisniveau ist in den letzten Jahren gehalten worden, die Rennvereine haben da eigentlich gute Arbeit geleistet. Man hat dieses Modell eigentlich in fast allen anderen Sportarten: Auch der Profisport wird fast nur durch Sponsoren, oder durch Hospitality gedeckt, fast 1:1. Die traditionelle Abhängigkeit vom Wettgeschäft hat zu wenig professionellen Strukturen, der konventionelle Träger war bislang der eingetragene Verein. Modelle, wie das in Aachen, wo es dann auch eine Vermarktungstochter gibt, sind im Rennsport total unbekannt. Ich würde nicht behaupten, dass wir bereits vergleichbar professionelle Strukturen haben. Aber als Rennbahn kann man nicht nur dasitzen, und warten, dass Unternehmen kommen.

 

Das vollständige Interview lesen Sie in der Printausgabe von "Yard Manager News", siehe auch Pressespiegel unter http://www.hoppegarten.com/presse.html bzw. als PDF: http://www.hoppegarten.com/pdf/interview_yardmanager.pdf

Führring rennbahn Hoppegarten

 

 

   
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