|
Schwingt die Hufe: Zukunftsprojekt
Niedersächsisches Landgestüt
Georg II., Kurfürst von
Hannover und König von Großbritannien, gründete das Celler Landgestüt
1735. Zweck dieser Einrichtung war es, den Landwirten gegen geringes
Entgelt gute Hengste zur Bedeckung ihrer Stuten bereitzustellen.
Die züchterischen Erfahrungen Englands nutzend wurden englische
Vollblüter angekauft, um die schweren Warmblutpferde zu veredeln.
Nach der Wende zum 20. Jahrhundert stieg die Bedeutung des Hannoveraners
als Reitpferd kontinuierlich. Keine andere Pferdezucht ist heute
international so erfolgreich. "Yard
Manager News" befragte
Landstallmeister Dr. sc. agr. Axel Brockmann, seit 1. Januar 2008
Leiter des größten deutschen Landgestüts.

Yardmanager: Was tut das Niedersächsische Landgestüt für den
Exportschlager Hannoveraner, damit die Zucht international so erfolgreich
weiterbesteht?
Dr. Axel Brockmann: Wir versuchen stetig interessante Hengste im
Landgestüt für die Züchter im Angebot zu haben, die über züchterisch
wertvolle Blutführung verfügen.
Yardmanager: Bezieht das Landgestüt wie andere auch EU-Fördergelder?
Dr. Axel Brockmann: Nein, wir beziehen keine EU Fördergelder.
Yardmanager: Wie steht heute das Celle ökonomisch da unter den
zehn Landgestüten Deutschlands? Ist im Niedersächsischen Landgestüt
trotz Wirtschaftskrise immer noch der Haushalt ausgeglichen? Reichen
die finanziellen Mittel, um die besten Vererber für das Landgestüt
zu sichern?
Dr. Axel Brockmann: Das Landgestüt Celle steht finanziell gut da,
da wir das Glück haben, innerhalb des weltgrößten Warmblutzuchtgebietes
arbeiten zu können. Ich denke unsere Vererberriege spricht hier
für sich. Zudem haben wir auch sehr gute Partner, die sich an Hengsten
beteiligen oder sie uns leihweise zur Verfügung stellen.
Yardmanager: In der Kreativität bei der Erschließung neuer Geldquellen,
Sponsoren und Inverstoren scheint es keine Grenzen zu geben. Es
gibt Rennbahn-Betreiber die denken über einen Sonnenkollektorenpark
auf der grünen Wiese nach. Welche Strategien und Ideen gibt es diesbezüglich
in Celle...
Dr. Axel Brockmann: ...auch wir werden demnächst Photovoltaik
auf den Dächern haben...
Yardmanager: ...könnte eine Privatierung der statatlichen Einrichtung
denkbar werden?
Dr. Axel Brockmann: Nein.
Yardmanager: Immer mehr kleine Züchter geben auf. Reicht Qualität
nicht mehr aus, um auf dem Markt zu bestehen?
Dr. Axel Brockmann: Oftmals sind es Altersgründe und der fehlende
Nachfolger. Im Gegenzug gibt es aber auch viele Neuanfänger.
Yardmanager: Wie hat sich die Kooperation zwischen der Stiftung
Brandenburgisches Haupt- und Landgestüt Neustadt Dosse und dem Niedersächsische
Landgestüt Celle entwickelt?
Dr. Axel Brockmann: Wir stehen in Kontakt, mit Dr. Jürgen Müller
war ich gerade gemeinsam bei der ESSA Tagung und wir haben beide
auch maßgeblich dafür gesorgt, dass es im Dezember ein Treffen aller
deutschen Landgestütsleiter in Fulda gibt.
Weiterhin geht es auch um eine Kooperation im Kleinen, so stellt
uns Neustadt/Dosse in diesem Jahr zwei Damensättel für unsere Abendveranstaltung
zur Verfügung.
Yardmanager: Die Kooperationsvereinbarung hat ja demnächst einjähriges
Jubiläum und wurde damals noch mitunterschrieben von mittlerweile
entlassenen und umstrittenen Herrn Dr. Jörg Uebel? Nervt Sie die
fortwährende Diskussion um die Querelen in Neustadt/Dosse?
Dr. Axel Brockmann: Ja, es tut mir für diese einmalige Einrichtung
auch sehr leid, da das Tagesgeschäft mit Sicherheit nicht unbeeinflußt
bleibt.
Yardmanager: An den beiden letzten Wochenenden im September
sowie am ersten Wochenende im Oktober findet die Celler Hengstparade
auf dem Gestütsgelände statt. Sind neben dem Sommerfest in Zukunft
noch weitere Veranstaltungen geplant?
Dr. Axel Brockmann: Wir haben jetzt schon eine Nachtveranstaltung,
die traditionellen vier Hengstparaden in diesem Jahr finden jeweils
Samstag und Sonntag an den letzten beiden Septemberwochenenden statt.
Wir werden auch die Hengstparade immer mal wieder variieren. Zum
Beispiel ist für unser Jubiläumsjahr 2010 (275 Jahre) eine spezielle
Veranstaltung geplant und auch das Jubiläum der Wiedervereinigung
werden wir am 3. Oktober mit Gastschaubildern aus anderen Staatsgestüten
feiern
Yardmanager: Dr. Brockmann, Sie haben Ihre Doktorarbeit auf
dem Gebiet der Leistungsprüfungen von Hengsten und Turniersportprüfungen
absolviert und kennen sich also mit Leistungsträgern aus. In Zeiten
der Dopingverdächtigungen - welche Literatur sollte unbedingt jeder
professionelle Spring- oder Dressurreiter im Regal zu stehen haben,
und hier auch mal ab und zu was nachlesen?
Dr. Axel Brockmann: Diese Literatur kann in meinen Augen meist
nur der Fachmann richtig einordnen/ verstehen, deshalb kommt es
in der ganzen Diskussion meines Erachtens auf den richtigen Tierarzt
an, zu dem dann das in ihn gesteckte Vertrauen auch gerechtfertigt
ist.
Ansonsten ist diese Problematik ja nicht von der "richtigen Literatur"
abhängig, sondern von der persönlichen Einstellung und der Verantwortungsübernahme
eines jeden Sportlers gegenüber seinem Partner Pferd
Yardmanager: Häufig wird bei positiven Fällen dem Tierarzt die
Verantwortung zugeschoben. Sollte auch der Tierarzt oder der Stallmeister
bei Dopingfällen zur Rechenschaft gezogen werden?
Dr. Axel Brockmann: Das Augenmerk sollte nicht nur immer auf einer
Person liegen, Reiter, Tierarzt und Stallmeister sind gleichermaßen
verantwortlich
Vielen Dank für das Gespräch! Das Interview führte
Andreas Frädrich Anfang August 2009.
Link: www.landgestuetcelle.de
|